Mehr als nur eine rote Laterne

14-tägige Freizeit für Menschen mit Unterstützungsbedarf im ehemaligen Gerabronner Bahnhof

Gerabronn Melissa Schmidt (29) und Marc Müller (44) freuen sich. Eine gemeinsame Planung hat konkrete Realität bekommen. Die beiden sitzen im historischen Güterschuppen des ehemaligen Gerabronner Bahnhofs. Sie freuen sich, dass eine Freizeit der im gesamten Landkreis Schwäbisch Hall tätigen Offenen Hilfen zugunsten von Menschen mit Unterstützungsbedarf hier stattfinden kann. Melissa Schmidt leitet das Tagesfreizeitangebot namens „Reisen ohne Koffer“. „Ohne Koffer“ deshalb, weil es – Corona bedingt – ohne Übernachtung gehen muss. Fünf freiwillige Mitarbeiterinnen stehen der Heilerziehungspflegerin zur Seite. Und Marc Müller ist der Vereinsvorsitzender des Vereins „Förderverein Nebenbahn Blaufelden – Gerabronn – Langenburg e.V.“ Die Verbindung zwischen den Offenen Hilfen und dem Förderverein ist durch Gerabronns Bürgermeister Christian Mauch zustande gekommen. Er hat Melissa Schmidt, ursprünglich selbst Gerabronnerin, auf ihrer Suche nach einer geeigneten Freizeitlocation den Bahnhof empfohlen. Alles Weitere sei „völlig unproblematisch“ verlaufen, sind sich Müller und Schmidt einig, auch was die hygienischen Notwendigkeiten angehe. Die Teilnehmer der Freizeit, im Altersspektrum zwischen 17 und 48 Jahren, kommen teilweise aus Gerabronn, teilweise aus umliegenden Orten. Im Güterschuppen, der reichlich Platz bietet, findet auch das Mittagessen statt. Es gehe vor allem darum, Begegnungen zu schaffen, gibt Melissa Schmidt Auskunft. Die Interessen der Teilnehmenden seien sich ähnlich, informiert sie. Corona bedingt gebe es jedoch keine allzu weiten Tagesauflüge. Beispielsweise stehe das Langenburger Freibad noch auf dem Programm. Hier war die Gruppe auch schon Minigolfspielen. Kerzen seien auch schon hergestellt worden. Überhaupt ist der Bahnhof ein idealer Platz zum Verweilen. Ein Teilnehmer döst im Schatten. Ein weiterer genießt das kühle Nass eines Planschbeckens. Andere batiken T-shirts. Eine Mitarbeiterin bringt ihr Akkordeon und Gitarre mit. Und Trommeln. Auf diese Weise entsteht im und um den Bahnhof herum eine entspannte Atmosphäre. Die stehende Hitze trägt ein Zusätzliches bei. Augenblicke werden zu kleinen Ewigkeiten. So als ob alsbald ein Zug behäbig in Zeitlupentempo einlaufen könne. Soweit sei es allerdings noch nicht, informiert Marc Müller. Er ist dankbar um jede Unterstützung, die sein etwa 120 Mitglieder umfassender Förderverein bekomme. Das Meiste müsse selbst erwirtschaftet werden. Dankbar sind auch die Eltern und Angehörigen der Freizeitteilnehmer. Dass es wenigstens ein Angebot in diesen Zeiten gäbe. Das führe eindeutig zu einer familiären Entlastung, so Melissa Schmidt. Sie ist sich sicher, dass sich alle auf der Freizeit wohlfühlen. Marc Müller bestätigt diesen Eindruck. Die Mutter von Freizeitteilnehmer Jonas Schaffert (22), aus Rot am See kommend, hat jedenfalls ihre Freude an der Freizeit und die geglückte Zusammenarbeit mit einer Zugschlussleuchte als Geschenk an den Förderverein zum Ausdruck gebracht. Diese „rote Laterne“ dürfte zugleich Anknüpfungspunkt für weitere gemeinsame Projekte sein: Denn auch über die Möglichkeit eines inklusiven Freizeitangebotes im Gerabronner Bahnhof, wenn Corona überstanden sei, haben sich Melissa Schmidt und Marc Müller unterhalten.
Weitere Infos zu den Offenen Hilfen unter: www.offene-hilfen-sha.de sowie Infos zu dem Förderverein unter: www.nebenbahn.info
Text und Foto: Traugott Hascher